Anfänge als Studentinnen-Initiative - globale Verantwortung bis heute fest im Blick

45 Jahre Indienhilfe, 40 Jahre Weltladen, 30 Jahre seit dem ersten Besuch einer Herrschinger Delegation in Chatra bei Kolkata 1995, 20 Jahre offizielle Städtepartnerschaft Herrsching - Chatra (nach dem Freundschaftsvertrag von 1996), 15 Jahre Stiftung „Hilfe für Indien“ – das Jahr 2025 hält für die Herrschinger Indienhilfe eine ganze Reihe an Jubiläen bereit!
Alles fing 1979 mit einem zweimonatigen Arbeitsaufenthalt der Herrschinger Medizinstudentinnen Elisabeth und Angelika Kreuz, im Nirmala Kennedy Centre von Mutter Teresa, in Kalkutta an. Erschüttert von ihren Erfahrungen, in welchem Elend viele Menschen, ganze Familien, auf Kolkatas Straßen hausten, sammelten sie nach ihrer Rückkehr Spenden im Familien- und Freundeskreis sowie bei Dia-Vorträgen, um obdachlose Kriegsflüchtlinge aus Bangladesch auf dem Land durch den Bau von Hütten mit Parzellen für den Reisanbau zu unterstützen. Die Hilfsbereitschaft war groß und schnell war klar, dass die Gelder nicht mehr privat nach Indien weitergeleitet werden konnten. Am 4. Juli 1980 wurde die Indienhilfe e.V. offiziell als gemeinnütziger Verein gegründet. Gemäß seiner Satzung finanzierte der Verein seither nicht nur soziale Programme örtlicher Partnerorganisationen für besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen in Westbengalen und darüber hinaus, sondern setzte sich auch bei uns für die Veränderung der globalen Ungerechtigkeit ein.
Nach dem Studienabschluss konnte Elisabeth mit Hilfe der Karl Kübel Stiftung in Bensheim ab 1985 einen kleinen Büroraum für die Indienhilfe im Herrschinger „Kommunikationszentrum KommmHer“ in der Seestraße anmieten. Ein Wohnzimmer-Sideboard im Büro diente ab Februar 1985 als erster „Dritte-Welt-Laden“ der Indienhilfe. Der Verkauf von fair gehandelten Lebensmitteln und Kunsthandwerk sollte den ausgebeuteten ProduzentInnen in der „Dritten Welt“ durch gerechte Löhne und bessere Arbeitsbedingungen einen Ausweg aus der Armut ermöglichen. Von einer Tee-Kooperative in Tripura importierte der Weltladen Tee und verkaufte ihn bundesweit an andere Weltläden. 1986 erfolgte der Umzug von Indienhilfe und KommHer in die „Alte Schule“, Luitpoldstr. 20, mit einer moderaten Miete an die Gemeinde. Erst 2007 konnte der Raum der umgezogenen Herrschinger Bücherei hinzugemietet werden und der Weltladen hatte endlich adäquat Platz.
Die Indienhilfe vernetzte sich mit anderen „Indien-Vereinen“ in Deutschland und es wurden gemeinsame Tagungen organisiert, um über weltweite Ausbeutungsstrukturen zu informieren.
Die Indienhilfe gab mit dem Verlag „Durga Press“, einem Zweckbetrieb, einen Indien-Newsletter mit Informationen aus Indien heraus, bis das neue Internet dies überflüssig machte und übersetzte und veröffentlichte u.a. indische Publikationen zur „Globalen Erwärmung als Fall von Öko-Kolonialismus“ und über „People’s Science“, das Wissen von Bauern und Indigenen Völkern Indiens. Die „Förderung der Erziehung“, aber auch die „Förderung internationaler Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens“ sind seit Beginn fest in der Satzung verankert.
- Ab 1990 konzentrierte sich die Indienhilfe auf die eigene Region im Landkreis Starnberg, insbesondere in Herrsching. Durch professionelle Bildungsangebote für Schulen will die Indienhilfe vor allem Kindern und Jugendlichen globale Zusammenhänge näherbringen und zu einer Veränderung des eigenen Lebensstils zu mehr Nachhaltigkeit anregen.
- In den Jahren 1992, 1997, 1998, 2004, 2006, 2007 sowie 2017 ermöglichten, über Monate hinweg intensiv vorbereitete Gruppenreisen, vielen Menschen aus der Umgebung Einblicke in die Lebenssituation in den Projektgebieten Westbengalens. Lebensgeschichtliche Interviews vertieften die Begegnungen. Fast alle Teilnehmenden engagierten sich danach für die „Eine Welt“, oft im Rahmen der Indienhilfe bzw. im Rahmen der 1990 entstandenen „Indiengruppe Vikas“ am Christoph-Probst Gymnasium Gilching.
- Über die Jahre gab es regelmäßige Ausstellungen zu Indien-Themen im Kurparkschlösschen Herrsching mit Schulklassenführungen.
- Die Indienhilfe lädt regelmäßig indische Projekt-Mitarbeiter nach Herrsching zu Arbeitsgesprächen ein, aber auch für Begegnungen mit Schulklassen an Schulen, bislang Christian Morgenstern Schule und das Christoph-Probst-Gymnasium sowie die Montessori-Schule Inning, die Spendenaktionen durchführen und mit Schulklassen in Chatra Bilder und Briefe austauschen.
- Im Jahr 1994 beschloss der damalige Gemeinderat der Gemeinde Herrsching der Gemeinde Chatra eine freundschaftliche Beziehung anzubieten. Und so wurde im Jahr 1995 diese Freundschaft in Chatra in Anwesenheit einer großen Herrschinger Delegation und des deutschen Generalkonsuls Kolkata bestätigt und dann im Kurparkschlösschen als Vereinbarung im Rahmen eines Festakts am 12.11.1996 durch Bürgermeister Adolf Wexlberger und Panchayat Pradhan Swaraj Misra unterzeichnet. Am 30.07.2005 wurde dieses Abkommen durch den Gemeinderat verabschiedeten neuen Vertrag über die Ausgestaltung der Partnerschaft bei einem Festakt in Anwesenheit des indischen Generalkonsuls und seines Stellvertreters aus München von Bürgermeisterin Christine Hollacher und Panchayat Pradhan Pranab unterzeichnet. „Die Beziehung soll sich neben vielfältigen persönlichen Kontakten der Bürgerinnen und Bürger auch in vielfältigen Kontakten zwischen den Gemeindeverwaltungen entfalten. Für ein faires Miteinander der Völker, soll sie bei allen Gemeindemitgliedern internationales Denken fördern und dazu führen, dass globale Zusammenhänge die Entscheidungen im täglichen Leben maßgeblich beeinflussen.“
- Die Indienhilfe und die Gemeinde Herrsching haben in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Chatra in der Folge eine Oberflächen-Trinkwasseranlage für einen bedürftigen Ortsteil Chatras konzipiert und finanziert, neben Beiträgen des indischen Staates.
- Ein gewaltiger Schritt vorwärts für die Indienhilfe war Ende 2010 die Errichtung der Stiftung „Hilfe für Indien“ durch ein Stifter-Ehepaar, mit der Umschichtung des Stiftungsvermögens in den Kauf des Grundstücks mit der „Alten Schule“ von der Gemeinde Herrsching. Seither „Welthaus ‚Alte Schule‘“ genannt. Die Indienhilfe konnte zwei weitere Räume anmieten, die im 1. Obergeschoss die Eine-Welt-Präsenz-Bibliothek und das Büro der Bildungsreferentin „Eine Welt-Station für Globales Lernen“ und der Eine Welt-Promotorin Oberbayern Süd, im Rahmen eines bundesweiten Programms, beherbergen. Der „Saal“, das letzte verbliebene Klassenzimmer in seiner ursprünglichen Gestalt, wird von der Stiftung für Veranstaltungen vermietet. Auch die Indienhilfe nutzt diesen für Ausstellungen, Workshops und Fortbildungen, für Vernetzungstreffen und für kulturelle „Indien-Veranstaltungen“, um den Menschen in und um Herrsching die Vielfalt der indischen Literatur, Musik und Kunst näher zu bringen.
Das Jubiläum der Vereinsgründung feiert der Verein im Rahmen der Bayerischen Eine Welt-Tage, die am 4. und 5. Juli 2025 im Kongress-Zentrum in Augsburg stattfinden.
Gemeinsam mit vielen anderen bayerischen Eine-Welt-Akteuren wird die Indienhilfe dort ihre Arbeit der letzten Jahrzehnte an einem Infostand präsentieren. Mit den Vereinsmitgliedern und allen Interessierten wird das Jubiläum im Rahmen der Jahres-Mitgliederversammlung am Samstag, 20. September 2025, gefeiert
Rund um das Indienhilfe-Jubiläum, findet unter dem Motto „Indien im Welthaus“ eine Reihe von Indien-Veranstaltungen im Welthaus „Alte Schule“ in Herrsching statt, wo auch die Indienhilfe ihre Räume hat.
- Den Auftakt machte am Mittwoch, 18. Juni 2025, das Konzert des Talab Khan Projects mit Tänzerin Savita Kalbeliya aus Rajasthan, das Wüstensound und den weltberühmten Kalbeliya Gypsie-Dance.
- Am Donnerstag, 3. Juli 2025, findet das Konzert "Jazz trifft Indien" mit Kilian Sladek Trio feat. Amit Mishra statt, bei dem sich die Welten des europäischen Modern Jazz und der traditionsreichen indischen Musik begegnen.
- Am Donnerstag, 7. August 2025, folgt ein weiteres indisches Konzert im Welthaus. Unter dem Titel „Laya meets Jazz“ präsentieren der Allgäuer Musiker Magnus Dauner und die indische Sängerin Sivani Sarasvatula ein Programm, das sie aus klassischer indischer Musik mit Klangeinflüssen aus dem Jazz entwickelt haben.
Alle Informationen über uns und unseren Veranstaltungen
finden Sie unter:
www.indienhilfe-herrsching.de
